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Die Rauhnächte: zwölf Nächte zwischen den Jahren

Die Rauhnächte sind ein Brauch im deutschsprachigen Raum: zwölf Nächte rund um den Jahreswechsel, in denen manche Menschen zur Ruhe kommen, zurückblicken und das neue Jahr bewusst beginnen.

In diesem Artikel
  1. Was sind die Rauhnächte?
  2. Zwei Zählweisen, zwölf Nächte
  3. Woher kommt der Name?
  4. Warum zwölf Nächte?
  5. Bräuche und Volksglaube
  6. Moderne Praxis: das 13-Wünsche-Ritual
  7. Ein Rauhnacht-Journal führen

Was sind die Rauhnächte?

Als Rauhnächte bezeichnet man die Nächte „zwischen den Jahren“, also die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag. Gemeint ist ein Brauchtum, das besonders in Bayern, Österreich, der Schweiz und angrenzenden Regionen bekannt ist. Wie alt es genau ist und welche Teile tatsächlich überliefert sind, lässt sich nicht sicher sagen; vieles, was heute darüber im Internet steht, ist neuere Deutung.

Deshalb gilt auf dieser Seite: Was Volksglaube ist, nennen wir Volksglaube, und was eine heutige Praxis oder Anregung ist, nennen wir ebenfalls so. Mit Vorhersagen hat das nichts zu tun. Die Nächte sind eine Einladung zum Innehalten, mehr nicht.

Zwei Zählweisen, zwölf Nächte

Beide Zählweisen sind verbreitet. Auf dieser Website beginnen die zwölf Nächte am 24./25. Dezember und enden am 4./5. Januar. Viele Quellen zählen dagegen vom 25./26. Dezember bis zum 5./6. Januar und lassen den Heiligabend außen vor. Manche erweitern den Zeitraum sogar auf die Thomasnacht am 21. Dezember.

Welche Variante du nimmst, ist Geschmackssache. Bei jeder Nacht nennen wir das Datum der hier verwendeten Zählung und erwähnen kurz, wie sie in der anderen heißt. Die Zuordnung der Monate bleibt hier immer an die Reihenfolge der Nächte gekoppelt.

  • Erste Rauhnacht. 24./25. Dezember, steht für den Januar.
  • Zweite Rauhnacht. 25./26. Dezember, steht für den Februar.
  • Dritte Rauhnacht. 26./27. Dezember, steht für den März.
  • Vierte Rauhnacht. 27./28. Dezember, steht für den April.
  • Fünfte Rauhnacht. 28./29. Dezember, steht für den Mai.
  • Sechste Rauhnacht. 29./30. Dezember, steht für den Juni.
  • Siebte Rauhnacht. 30./31. Dezember, steht für den Juli.
  • Achte Rauhnacht. 31. Dezember/1. Januar, steht für den August.
  • Neunte Rauhnacht. 1./2. Januar, steht für den September.
  • Zehnte Rauhnacht. 2./3. Januar, steht für den Oktober.
  • Elfte Rauhnacht. 3./4. Januar, steht für den November.
  • Zwölfte Rauhnacht. 4./5. Januar, steht für den Dezember.

Woher kommt der Name?

Für den Namen „Rauhnächte“ gibt es zwei Erklärungen, die oft genannt werden und beide Hypothesen sind. Die erste führt das Wort auf „rau“ im Sinn von „haarig“ oder „pelzig“ zurück und verbindet es mit den zotteligen Gestalten, die in dieser Zeit durch manche Alpendörfer ziehen, etwa die Perchten.

Die zweite Deutung leitet es von „Rauch“ ab, weil in der Zeit Haus und Stall mit Kräutern oder Weihrauch ausgeräuchert wurden. Sprachwissenschaftlich ist die Frage nicht abschließend geklärt, vielleicht spielen beide Bedeutungen zusammen.

Warum zwölf Nächte?

Eine gern erzählte Erklärung betrifft den Kalender. Ein Mondjahr mit zwölf Mondmonaten hat rund 354 Tage, ein Sonnenjahr rund 365. Der Unterschied beträgt ungefähr elf Tage, also elf bis zwölf Nächte, die „übrig“ bleiben. In dieser Lücke, so die Erzählung, liege die Zeit zwischen den Jahren.

Ob dieser Gedanke wirklich der Ursprung des Brauchs ist, wissen wir nicht. Er ist eine einleuchtende Erklärung, die in Büchern und Artikeln häufig zu lesen ist. Sicher ist nur: Die Tage um die Wintersonnenwende sind die dunkelsten des Jahres und laden von selbst zum Rückzug ein.

Bräuche und Volksglaube

Zu den bekanntesten Bräuchen zählt das Räuchern. Dabei verglimmen Kräuter oder Harz auf Kohle. Sicherheit geht vor: Nutze eine feuerfeste Schale mit Sand, stelle sie auf eine stabile Unterlage, halte Abstand zu Vorhängen und Papier, lüfte danach gründlich und lass nichts Glimmendes unbeaufsichtigt. Menschen mit Asthma, Allergien oder Kindern und Haustieren im Haus verzichten besser auf Rauch; ein Duft aus Orangenschalen oder ein Tee tun es auch.

Als Volksglaube gilt zum Beispiel, dass man in den Rauhnächten keine Wäsche aufhängen soll, weil sich die Wilde Jagd darin verfangen könnte. Gemeint ist ein nächtlicher Zug durch die Lüfte, von dem die Sage erzählt; das ist eine Legende. In den Alpen ziehen zudem bei den Perchtenläufen maskierte Gestalten durch die Orte. Das ist Schauspiel und Tradition.

Im Alpenraum kennt man außerdem die Losnächte, in denen man auf Zeichen achtete. Das alles gehört zum Brauchtum; niemand muss es mitmachen.

Moderne Praxis: das 13-Wünsche-Ritual

Verbreitet ist heute das 13-Wünsche-Ritual. Du schreibst dreizehn Wünsche für das neue Jahr auf kleine Zettel. In jeder der zwölf Nächte ziehst du einen Zettel, ohne ihn zu lesen, und gibst ihn symbolisch ab, meist durch Verbrennen oder Zerreißen. Der dreizehnte Zettel bleibt übrig. Das ist eine neuere Praxis, keine alte Überlieferung.

Verbrennen musst du die Zettel nicht. Wenn du es trotzdem möchtest, verwende eine feuerfeste Schale, halte Wasser bereit und schaue zu, bis alles erloschen ist. Versprechen gibt das Ritual nicht; es ist eine Form, Absichten zu sortieren.

Ein Rauhnacht-Journal führen

Ein Journal ist die einfachste und flexibelste Form. Du brauchst nur ein Heft und etwa zehn Minuten am Abend. Schreibe das Datum, den Monat, für den die Nacht steht, und einen oder zwei Sätze zu deiner Frage auf. Wenn du magst, notiere morgens einen Traum, der dir geblieben ist.

Wichtig ist, nicht zu bewerten. Es geht nicht um schöne Worte, sondern um das, was dir einfällt. Am Ende der zwölf Nächte liest du alles durch und unterstreichst, was dir auffällt. Das Ergebnis ist kein Orakel, sondern ein Bild deiner eigenen Gedanken.

Häufige Fragen

Sind die Rauhnächte christlich oder heidnisch?

Das lässt sich nicht eindeutig sagen. Der Brauch verbindet Weihnachtszeit und ältere Volksvorstellungen. Wie viel davon vorchristlich ist, ist unter Forschenden umstritten.

Wie viele Rauhnächte gibt es?

Zwölf. Beginn und Ende hängen von der Zählweise ab, manche Quellen nennen auch dreizehn Nächte oder beginnen bei der Thomasnacht.

Muss ich räuchern?

Nein. Räuchern ist eine Möglichkeit unter vielen. Eine Kerze, ein Spaziergang oder ein Journal erfüllen denselben Zweck, und niemand ist dazu verpflichtet.

Kann ich aus den Nächten das nächste Jahr ablesen?

Nein. Die Zuordnung der Nächte zu Monaten ist ein Brauch, kein belegtes Orakel. Sie dient als Anlass zum Nachdenken.