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Figa: die Faust mit dem Daumen zwischen den Fingern

In Brasilien hängt sie am Autospiegel, in Italien an der Halskette, und in manchen Ländern wäre die Geste eine Beleidigung. Die Figa zeigt, wie sehr Zeichen vom Ort abhängen.

NameFiga (it., pt.), Higa (span.), „Feige“RegionenItalien, Portugal, Spanien, BrasilienFormFaust, Daumen zwischen Zeige- und MittelfingerMaterialHolz, Silber, Kunstharz, Stein
In diesem Artikel
  1. Eine Geste mit römischen Wurzeln
  2. Vom Amulett zur Halskette
  3. Achtung, die Geste kann beleidigen
  4. Im deutschsprachigen Raum
  5. Material und Gestaltung
  6. Figa in der Sprache
  7. Verwandtes

Eine Geste mit römischen Wurzeln

Die Figa, in Spanien Higa genannt, zeigt eine geschlossene Hand, bei der der Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger hervorschaut. Der Name stammt von der Feige, an die das Bild erinnert. Die Geste ist schon aus römischer Zeit überliefert und wurde in Südeuropa weitergegeben. Zur Deutung gibt es mehrere Ansichten, von einer Abwehrgeste bis zu einem Fruchtbarkeitszeichen, und die Forschung ist sich nicht einig.

Vom Amulett zur Halskette

In Spanien und Portugal wurden Kindern früher Figas aus schwarzem Jet oder Koralle umgehängt, um den bösen Blick abzuwehren. Nach Brasilien kam der Brauch mit der portugiesischen Besiedlung und verband sich dort mit afrobrasilianischen Traditionen. Heute ist die Figa dort ein verbreitetes Mitbringsel, oft aus Holz geschnitzt, in Bahia auch ein beliebter Schmuck. In Italien begegnet sie dir als Anhänger oder Schlüsselring.

Achtung, die Geste kann beleidigen

Als Handzeichen kommt dieselbe Form sehr unterschiedlich an. In der Türkei, in Russland und in einigen Balkanländern gilt sie als obszön. In Brasilien und Portugal wird sie dagegen als Glückszeichen gezeigt. Wenn du verreist, mache die Geste deshalb nicht beiläufig, vor allem, wenn du den Ort nicht kennst.

Im deutschsprachigen Raum

Hier ist die Figa vor allem ein Souvenir. Wer sie kauft oder verschenkt, sollte wissen, dass sie je nach Gegend sehr verschiedene Rollen hat. Eine kurze Erklärung zum Geschenk hilft, Missverständnisse zu vermeiden.

Für Kinder eignen sich solche Anhänger nicht: Kleine Teile können verschluckt werden, und Halsketten sind im Bett und beim Spielen eine Strangulationsgefahr.

Material und Gestaltung

Klassisch sind Figas aus Holz, Koralle, Horn oder Silber. In Brasilien werden sie häufig aus dunklem Holz geschnitzt und auf Märkten verkauft, daneben gibt es kleine Ausführungen aus Kunstharz. In Italien findest du sie auch als Emaille oder Gold im Schmuckgeschäft. Manche Stücke sind fein ausgearbeitet, andere schlichte Fäuste.

Wenn du ein Stück kaufst, lohnt der Blick auf die Verarbeitung: Glatte Kanten, saubere Ösen und kein abgeblätterter Lack. Das gilt besonders, wenn der Anhänger täglich getragen wird.

Figa in der Sprache

In Brasilien meint „fazer figa“, die Daumen zu drücken, und man zeigt die Geste, um Glück zu wünschen. In Italien dagegen hat das Wort „fica“ eine derbe Nebenbedeutung, weshalb der Begriff dort nicht in jeder Runde passt. Das Pendant im Deutschen ist das Daumendrücken, das ebenfalls ein Brauch mit alter Herkunft ist. Ein Vergleich, der zeigt: Handzeichen für Glück gibt es in fast jeder Sprache.

Verwandtes

Wer sich für südeuropäische Glücksbräuche interessiert, findet beim Hufeisen und beim Kleeblatt passende Vergleiche. Eine Übersicht aller Stücke steht unter Amulette.

Wer eine Figa trägt, tut das in Brasilien oft ohne großes Nachdenken, so wie man hierzulande einen Schlüsselanhänger hat. Gerade diese Beiläufigkeit macht sie interessant: Ein Zeichen, das einmal Abwehr bedeutete, ist zu einem freundlichen Alltagsgegenstand geworden, der Gespräche über Reisen und Familiengeschichten eröffnet.

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