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Das Bagua: ein Raster, zwei Lesarten

Das Bagua teilt Räume in neun Bereiche. Es gibt eine klassische und eine westliche Fassung, und sie liefern nicht dieselbe Karte.

HerkunftChina, Trigramme aus dem YijingWestliche FassungBTB-Bagua, Lin Yun, 1980er-JahreFelderNeun, in drei mal dreiAusgangspunktKompass oder Eingangstür
In diesem Artikel
  1. Was das Wort Bagua bedeutet
  2. Klassisches Bagua: der Kompass entscheidet
  3. Westliches Bagua: die Tür gibt die Richtung
  4. Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
  5. So legst du das Raster auf deine Wohnung
  6. Typische Zuordnungen im westlichen Bagua
  7. Häufige Fehler beim Anlegen

Was das Wort Bagua bedeutet

„Ba“ heißt acht und „gua“ Trigramm. Gemeint sind die acht Symbole aus drei durchgezogenen oder unterbrochenen Linien, die im Yijing, dem chinesischen Buch der Wandlungen, auftauchen. Jedes Trigramm steht für ein Naturbild wie Himmel, Erde, Donner oder Wasser. Zusammen mit der Mitte ergeben sich neun Felder.

Aus dem Yijing wurden zwei Anordnungen überliefert, die ältere „Frühhimmel“-Anordnung und die jüngere „Späthimmel“-Anordnung. Die Feng-Shui-Praxis nutzt meist die zweite.

Klassisches Bagua: der Kompass entscheidet

In der Kompassschule liegen die Felder fest an den Himmelsrichtungen. Süden, Norden oder Osten sind dort immer dieselben Bereiche, egal wo die Haustür liegt. Die Grundlage ist eine Messung mit dem Luopan, dem chinesischen Kompass, die auch Geburtsjahr und Hausalter einbezieht.

Dieses Verfahren verlangt Erfahrung. Wer es in Deutschland praktiziert, arbeitet meist mit einer Fachperson, die den Grundriss vor Ort liest.

Westliches Bagua: die Tür gibt die Richtung

Das westliche Bagua ist eine Vereinfachung, die Thomas Lin Yun in den 1980er-Jahren mit seiner Linie des „Black Sect Tantric Buddhism“ (BTB, im Westen oft „Black Hat Sect“ genannt) bekannt machte. Du legst das Raster mit der Unterkante auf die Wand, in der die Haustür sitzt. Die Felder wandern also mit dem Eingang, nicht mit dem Kompass.

In der Folge liegt der Bereich „Karriere“ immer vorn in der Mitte, „Hilfreiche Freunde“ rechts davon, „Partnerschaft“ hinten rechts. Das ist ein modernes Lesemodell und kein altes chinesisches Dokument. Es lässt sich aber leicht anwenden, auch in Mietwohnungen.

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

Beim klassischen Bagua zählen Himmelsrichtungen, Geburtsdaten und Geländeform. Beim westlichen zählt nur der Grundriss samt Eingang. Beide können für denselben Raum verschiedene Bereiche ergeben, und keines davon lässt sich naturwissenschaftlich überprüfen.

Wenn du beides probierst und Widersprüche findest, ist das kein Fehler. Entscheide dich für eine Methode und bleib dabei.

So legst du das Raster auf deine Wohnung

Zeichne den Grundriss auf Papier. Teile ihn in neun gleiche Felder. Fehlt eine Ecke, etwa bei einem Erker oder einem L-Grundriss, gilt der Bereich als „fehlend“. Du musst nichts anbauen; ein Spiegel oder eine kleine Lampe an der betroffenen Außenwand reicht symbolisch.

Nimm das Raster als Anregung, um über Räume nachzudenken, nicht als Urteil. Ein vollgestellter Bereich lässt sich leicht freiräumen, unabhängig davon, wie er heißt. Mehr zu den Farben und Materialien der Felder findest du bei den fünf Elementen.

Typische Zuordnungen im westlichen Bagua

Im westlichen Raster bekommen die Felder Lebensthemen: Karriere, Wissen, Familie, Wohlstand, Mitte und Gesundheit, Hilfreiche Freunde, Kinder und Kreativität sowie Partnerschaft. Jedes Feld hat eine Farbe und ein Element, die du als Anregung für Dekoration nutzen kannst.

Diese Themen sind Deutungen der westlichen Schule. Sie sagen nichts darüber aus, ob in einem Bereich tatsächlich etwas gelingt oder misslingt. Wer bei „Wohlstand“ eine volle Geldbörse erwartet, wird enttäuscht, wer dort einfach einen schönen, ordentlichen Platz einrichtet, hat zumindest einen gepflegten Raum gewonnen.

Praktisch kannst du dir pro Feld eine kleine Aufgabe nehmen: Im Bereich Wissen den Lesesessel freiräumen, im Bereich Familie Fotos aufhängen, im Bereich Kreativität einen Platz für Zeichenstifte schaffen.

Häufige Fehler beim Anlegen

Beim ersten Versuch passieren immer wieder dieselben Dinge.

  • Das Raster am Kompass statt an der Eingangswand ausrichten und dann beide Methoden mischen.
  • Bei mehreren Eingängen die falsche Tür wählen: Es gilt die Tür, die du tatsächlich täglich benutzt.
  • Jeden einzelnen Raum mit dem Raster überziehen, ohne zuvor die ganze Wohnung zu betrachten.
  • Aus einer fehlenden Ecke auf Unglück schließen.

Häufige Fragen

Muss ich das Bagua genau vermessen?

Nein, für die westliche Fassung genügt eine grobe Skizze. Die klassische Schule verlangt dagegen eine Kompassmessung.

Gilt das Bagua auch für einzelne Zimmer?

Viele legen das Raster zusätzlich über Zimmer, andere nur über die ganze Wohnung. Beides ist eine Konvention, keine Pflicht.

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