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Beim Anstoßen in die Augen schauen: Pflicht oder Mythos?

Gläser heben, klingen lassen, einander ansehen. Wer beim Prosit wegschaut, bekommt es in Gesellschaften schnell zu hören: „Du musst mir in die Augen schauen, sonst gibt es sieben Jahre Pech in der Liebe“ Das ist ein Klassiker.

RegelBeim Anstoßen Augenkontakt haltenFolge bei Verstoß (Scherz)Sieben Jahre Pech in der LiebeVerbreitungDeutschland, Österreich, Schweiz, weite Teile EuropasGegenmittelNeu anstoßen und diesmal hinschauen
In diesem Artikel
  1. Eine Höflichkeitsregel mit Drohung
  2. Woher kommt das?
  3. Regionale Feinheiten
  4. Was tun, wenn man vergessen hat hinzuschauen?
  5. Mit Wasser anstoßen und andere Fallstricke
  6. Ein ruhiges Fazit

Eine Höflichkeitsregel mit Drohung

Was als Etikette beginnt, endet in einem verlässlichen Spruch. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gehört der Blickkontakt beim Anstoßen zum guten Ton. Das gilt für das Glas Wein ebenso wie für das Bierglas am Stammtisch. Wer mit mehreren anstößt, soll nach Möglichkeit jedem kurz in die Augen sehen.

Die Drohung mit den sieben Jahren ist dabei fast immer scherzhaft gemeint. Sie sorgt für Gelächter und hilft, die Regel zu behalten. Sie wirkt bei Jung und Alt gleichermaßen.

Woher kommt das?

Eine häufig genannte Erklärung führt in die Zeit, in der Vergiftung bei Festen eine reale Sorge war. Wer dem anderen in die Augen sah und kräftig anstieß, sodass Flüssigkeit in das Glas des anderen schwappte, wollte zeigen: Ich habe nichts zu verbergen. Das ist eine hübsche Geschichte, aber nicht belegt.

Naheliegender ist, dass es einfach um Respekt geht. Ein Prosit ist eine kleine gemeinsame Geste, und wer dabei den Blick abwendet, wirkt unaufmerksam. Die Strafandrohung ist vermutlich später dazugekommen, um die Regel zu merken.

Regionale Feinheiten

In der Schweiz sagt man häufig „Zum Wohl“ oder „Santé“, in Österreich „Prost“, „Servus“ oder „Zum Wohl“. In Süddeutschland und Österreich wird der Blickkontakt besonders wichtig genommen, im Norden eher beiläufig. Auch das Gläserklingen hat seine Eigenheiten: In vielen Runden stößt man nicht über Kreuz an, sondern nacheinander, und der Blick wandert mit.

Bei großen Gruppen ist es üblich, nach dem Anstoßen noch einmal in die Runde zu schauen und zuzunicken. Zum guten Ton gehört außerdem, das Glas nach dem ersten Schluck nicht sofort abzustellen, sondern kurz noch einmal zu heben.

Was tun, wenn man vergessen hat hinzuschauen?

Der einfachste Weg: einfach noch einmal anstoßen, diesmal mit Blickkontakt. Wer schnell ist, hat die „sieben Jahre“ damit abgewendet. Viele sagen dann augenzwinkernd: „Zählt nicht, wir machen es nochmal.“

Bei Heiratsfeiern oder anderen Anlässen mit vielen Gästen ist das nicht praktikabel. Dort reicht es, wenn man den Blick im Lauf des Abends mit denen teilt, die man verpasst hat. Das ist freundlich und wird nicht übelgenommen.

Mit Wasser anstoßen und andere Fallstricke

Wer keinen Alkohol trinkt, stößt am besten mit Saft oder einem alkoholfreien Getränk an. Dass man dagegen nicht mit Wasser anstoßen sollte, ist ein eigener Aberglaube, den du bei Mit Wasser anstoßen findest. Vor einem Toast ruft man in Gesellschaft oft auch noch einen kurzen Wunsch aus, etwa „Auf dein Wohl“.

Bei Geschäftsessen ist der Blick besonders wichtig: Er zeigt Respekt und Aufmerksamkeit. Auch ohne Aberglauben macht er den Moment persönlicher.

Ein ruhiges Fazit

Der Brauch ist eine nette Verbindung aus Höflichkeit und Humor. Er wird nicht ernsthaft geglaubt, aber gern weitererzählt. Wenn du dich daran hältst, schadet es nicht, und es erzeugt Nähe. Wenn du vergisst, bleibt es bei einem Lachen.

Mehr kleine Rituale rund um Feste findest du bei den Glücksbringer sowie bei Nicht vorfeiern.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn man beim Anstoßen nicht in die Augen schaut?

Im Scherz heißt es: sieben Jahre Pech in der Liebe. Ernst gemeint ist das kaum.

Woher kommt der Brauch?

Eine häufige Erklärung nennt Misstrauen gegenüber Vergiftungen. Belegt ist das nicht. Wahrscheinlich geht es auch schlicht um Respekt.

Muss man jedem in die Augen sehen?

Bei kleinen Runden ja, bei großen reicht ein Blick in die Runde.

Gilt das auch in der Schweiz und Österreich?

Ja, der Brauch ist im gesamten deutschsprachigen Raum verbreitet.

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