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Der Polterabend
Der Polterabend findet am Abend vor der Hochzeit statt, meist im Haus der Brauteltern oder der Gastgeber. Gäste bringen altes Geschirr mit und werfen es vor der Tür auf den Boden. Das Brautpaar fegt die Scherben gemeinsam zusammen. Das gemeinsame Aufräumen gilt als erste Probe für das Eheleben.
Der Brauch ist vor allem in Nord- und Westdeutschland verbreitet. In Österreich und der Schweiz ist er weniger üblich und wird dort eher in grenznahen oder norddeutsch geprägten Kreisen gepflegt. Andere Regionen kennen ähnliche Feiern unter anderem Namen.
Woher kommt das Glück?
Eine verbreitete Erklärung lautet, dass der Lärm böse Geister vertreibe. Das Poltern und Klirren soll Dämonen verscheuchen, die dem Paar schaden könnten. Eine zweite Deutung sieht in den Scherben ein Zeichen von Fruchtbarkeit und Fülle. Eine dritte nennt den praktischen Aspekt: Die Gäste schenken dem Paar etwas, indem sie ihm den Aufwand des Aufräumens zumuten, und das Paar zeigt, dass es Mühe teilt.
Welche Erklärung stimmt, ist nicht zu klären. Der Spruch „Scherben bringen Glück“ ist inzwischen so bekannt, dass er auch außerhalb der Hochzeit verwendet wird, wenn etwas kaputtgeht und man sich tröstet.
Wichtig: nur Porzellan und Keramik
Beim Polterabend gilt eine feste Regel: Es wird Porzellan, Keramik oder Steingut zerschlagen, niemals Glas und niemals Spiegel. Glas und Spiegel gelten als Unglücksbringer, siehe Zerbrochener Spiegel, und sie sind außerdem gefährlich: Splitter können Menschen und Tiere verletzen, sind schwer zu fegen und gelangen leicht in Schuhsohlen und Reifen.
Auch aus Rücksicht auf Nachbarn und Passanten sollte man darauf achten, dass keine scharfen Gegenstände wie Fliesenstücke oder Töpferware mit Glasur im Übermaß liegen bleiben. Dem Brautpaar gehört die Pflicht, alles zu entfernen.
So gelingt ein Polterabend
Ein paar Tipps haben sich bewährt: Gastgeber stellen eine Kiste für Scherben bereit, die Gäste werfen nur auf einen abgegrenzten Bereich, und Kinder bleiben in sicherem Abstand. Wer ohne Geschirr kommt, bringt dem Paar eine Kleinigkeit, etwa ein Kleeblatt oder ein Hufeisen. Weitere Ideen stehen bei den Glücksbringer.
In manchen Regionen tragen die Gäste vorab Geschirr zusammen und fragen auf dem Flohmarkt nach. Neues, teures Geschirr wirft man nicht, denn der Sinn ist der Ausdruck der Freude, nicht Verschwendung.
Im Alltag
Auch außerhalb der Hochzeit wird der Spruch benutzt. Fällt ein Teller vom Tisch, sagt jemand: „Scherben bringen Glück.“ Dann lacht man und räumt auf. Das ist die freundlichste Art, mit einem Missgeschick umzugehen.
Ob man dann tatsächlich mit Glück rechnet, ist zweitrangig. Wichtig ist der Trost, den der Satz spendet.
Ein ruhiger Blick
Der Brauch hat keine Wirkung, die man messen könnte. Er verbindet Menschen und gibt dem Beginn der Ehe einen kräftigen, lauten Anfang. Wer ihn pflegt, tut es aus Freude, und wer nicht, braucht kein schlechtes Gewissen. Passend dazu ist die Formel Toi, toi, toi ein weiterer Wunsch, den man dem Paar mitgeben kann.
Häufige Fragen
Was wird beim Polterabend zerschlagen?
Porzellan, Keramik oder Steingut. Glas und Spiegel sind tabu.
Warum bringen Scherben Glück?
Eine verbreitete Erklärung nennt das Vertreiben böser Geister durch Lärm. Belegt ist das nicht.
Wer räumt auf?
Das Brautpaar fegt die Scherben gemeinsam zusammen.
Ist der Brauch in Österreich und der Schweiz üblich?
Weniger als in Deutschland, dort kennt man ähnliche Feiern unter anderen Namen.